IT Crowd Club Liechtenstein

Social Media im Gastgewerbe

Kürzlich beim Feierabendbier in einer Bar in Vaduz wurden die Kollegen und ich nach kurzem Small Talk mit der Bedienung inspiriert, was vollkommen Neues in Liechtenstein auszuprobieren.

Die Vorgeschichte begann ziemlich genau eine Woche davor in derselben Lokation und mit einer zu diesem Zeitpunkt (es war eher später…) genialen Idee. Und zwar wollten wir die Rechnung bestellen, aber es war voll. Kurz überlegt griff ich zum Handy und habe die besagte Bar angerufen und die Rechnung bestellt, welche daraufhin prompt und mit einem Lächeln kam ;-)

Beim besagten nächsten Feierabendbier wollten wir diese Idee steigern und kamen auf die Idee, Social Media für eine Bestellung einzusetzen, nachdem die Bedienung überzeugt war, dass sie jede Bestellung, egal auf welchem Weg, aufnimmt.

Gesagt getan, wir haben daraufhin auf der Facebook-Pinnwall der Bar eine Bestellung mit gewünschter Zeitangabe aufgegeben und daraufhin den Countdown gestartet, um das Experiment zu überprüfen. Und tatsächlich, auf die Sekunde genau bekamen wir unsere Getränke an den Tisch serviert! Eine wahrscheinlich bisher einmalige Aktion im Ländle und Gratulation an die motivierte Bedienung :-)

Über Nacht habe ich mir diese Aktion ein bisschen durch den Kopf gehen lassen und habe überlegt, ob es nicht grundsätzlich einfacher für ein Gastgewerbe ist, wenn die Gäste via elektronischer Bestellung jederzeit bestellen könnten. Bisher ist es vielfach so, dass der Gast, welcher lauter und eventuell auch idealer zur Bedienung sitzt, jederzeit bestellen kann. Andere Gäste welche weniger durchsetzungsstark oder auch schüchterner sind und auch noch schlechter platziert sind, warten hingegen wieder ewigs bis man überhaupt die Rechnung bestellen kann.

Wäre es nicht für jeden Gast aber auch Bedienung fairer und einfacher, wenn der Gast z.B. mit einem Touchscreen-Tisch jederzeit die Bestellung (z.B. auch mit gewünschter Zeit) auslösen kann und diese sauber in einer Queue bei der Bedienung abgearbeitet wird? Idealerweise sieht der Gast dann auch gleich, wie lange er ungefähr noch warten muss, da gerade viele Bestellungen gleichzeitig eingegangen sind. Die Wartezeit ist dann zumindest erklärt und der Gast hat dann auch im besten Fall mehr Verständnis dafür.

Weiter gedacht male ich mir auch Szenarien aus, bei welchen ich fasziniert auf das Getränk des Kollegen schaue, und dieses bestellen will. Warum dann nicht das Smartphone herausholen, Foto machen und automatisch wird mit einer App das Getränk erkannt und mit einem weiteren Klick auch gleich zum richtigen Tisch bestellt? Oder wenn es eine neue Runde Bier geben soll, benötigt es nur noch einen „Wiederholen“-Button auf den Tisch mit Bestätigung. Und zu guter Letzt wird die Rechnung wieder auf dem Touchscreen-Tisch angezeigt und je nachdem auf die Gäste direkt aufgeteilt und natürlich elektronisch bezahlt inklusive Trinkgeld.

Es gibt heute schon diverse Ansätze, wie den Surface-Tisch von Microsoft (Video 1, Video 2), welchen ich kürzlich bei Microsoft in Wallisellen bei einem IT-Event testen konnte. Ich bin jetzt schon gespannt, welches Gastgewerbe in Liechtenstein es wagen wird, ein ähnliches Szenario wie mein beschriebenes in die Realität umzusetzen. Natürlich gibt es auch Datenschutz-Bedenken, da ziemlich genau klar ist, wer welches Getränk wann konsumiert. Je nach Trinkverhalten kann eine solche Statistik in den falschen Händen auch sehr unvorteilhaft für den Gast sein. Im Moment sehe ich aber eher die positiven Seiten wie besagte faire Bedienungszeit und Transparenz bei der Bestellung.

Was denkt ihr, wird es in Zukunft in diese Richtung gehen und wenn ja, wann wird das etwa bei uns das erste Mal umgesetzt werden? Oder seht ihr das eher negativ und denkt, wenn das kommt, dann ist der Mensch noch „gläserner“ als heute?

6 Kommentare zu “Social Media im Gastgewerbe

  1. Anonymous

    Ein ähnliches Konzept verfolgt die Kette Vapiano. Ich war leider noch nie selbst dort, kann also nichts Genaueres dazu sagen. :(

    Wikipedia jedenfalls schreibt dazu:
    Beim Betreten des Restaurants erhält jeder Gast eine Chipkarte, mit der seine Bestellungen erfasst werden. Der Gast bestellt dann am Tresen der Showküche an den verschiedenen Stationen Gerichte und Getränke, die vor seinen Augen frisch zubereitet werden und die er mit einem Kantinen-Tablett mitnehmen kann. Wenn er Pizza bestellt, bekommt er einen elektronischen Funkmelder mit. Er sucht sich dann einen Sitzplatz. Wenn die Pizza fertig ist, gibt der Funkmelder Alarm, der Gast geht zurück zur Station und holt sich seine Pizza selbst ab. Beim Verlassen des Restaurants wird mithilfe der Chipkarten die Rechnung an der Kasse bezahlt.

    Wie gesagt, ich kann leider selbst nichts dazu sagen. In Testberichten im Internet wird das Konzept aber auch an manchen Stellen kritisiert. Zum Beispiel schreibt jemand:
    Das Konzept führt eigentlich nur dazu, dass alle am Tisch ihr Essen garantiert zu unterschiedlichen Zeitpunkten bekommen und ständig jemand aufsteht, um seine Pizza oder ein weiteres Getränk zu holen.

    1. Peter

      Im Vapiano war ich vor 2 Jahren in München. Ist auch ein interessantes Konzept, wobei ihr Schwerpunkt eher ist, dass man dem Koch praktisch beim Buffet sagen kann, was man will, und er kocht es frisch. Und man wird mit deinem erwähnten Funkmelder informiert, sobald es fertig ist.

      So was habe ich das erste Mal 2005 in Australien gesehen, eine Burger-Kette welche jedem so ein Pips-Ding mitgegeben hat und bei Vibrieren konnte man den Burger holen. Irgendwie witzig und spannend. Man konnte aber auch auf Screens sehen, auf welchem Platz die eigene Bestellung in der Queue war (jeder Piepser hatte eine eigene Nummer).

      Bezüglich der Kritik von verschiedenen „Lieferzeiten“ wäre das sicher konzeptionell lösbar, in dem man Tische gruppieren könnte bei der Essensbestellung. Im Prinzip genau gleich wie die Bedienung die Bestellung immer von allen auf nimmt, einfach dass man es selber zuerst sammelt.

    1. Peter

      Cool, danke für den Link. Geht mir persönlich im Moment aber ein bisschen zu weit, dass Bestellungen automatisch geschickt werden. Braucht auch ziemlich viel Platz sowie natürlich höhere Kösten und mehr technische Probleme. Ist auch irgendwie mir zu unpersönlich.

      Mit der heutigen Entwicklung, wo sehr viele Personen bereits App-fähige Smartphones haben, würde ich eine eigene App erstellen lassen, welche das traditionelle Bestellen teils ablöst oder ergänzt. Die Identität der Person kann man so auch gleich sichern, damit niemand für jemand anderes bestellen kann. Die Bezahlung könnte man direkt auch via App natürlich regeln.

      Dann noch WLAN zur Verfügung stellen (ob jetzt offenes Internet oder nicht, ist ein anderes Thema), und schon kann jeder Gast mit Smartphone bequem die Bestellung auslösen. Und als Features gibt es dann noch automatisch generierte Reports, auf welcher man sieht, was man die letzten paar mal konsumiert hat. Und natürlich sieht man das aktuelle Menü, kann das Essen direkt bewerten (wie in deinem Video) und sieht gerade, wieviele Bestellungen gerade offen sind und wie lange es ungefähr noch dauert (automatisch berechnet aufgrund von statistischen Werten) ;-)

      Ich denke, so was sollte heute schon machbar sein, wenn nicht auch schon irgendwo auf der Welt es ein Restaurant gibt, welches so eine eigene App bereits einsetzt.

  2. Anonymous

    Im Vampiano war ich auch schon. Gibts in München bei den Fünf Höfen eins. Ist trotz einwandfreier Automation trotzdem stressig, da das Lokal ständig überfüllt ist. Aber den Gründern (etwa in unserem Alter) gehts prima. Die sind so viel ich weiss bereits nach Spanien expandiert.

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