IT Crowd Club Liechtenstein

Silicon Valley und Liechtenstein

Im folgenden Blog-Beitrag soll euch kurz Einblick in die Welt von Silicon Valley gegeben werden. Anhand des Bestsellers von Christoph Keese möchte ich euch die wichtigsten genannten Erfolgsfaktoren für die Entwicklung von Tech-Ideen, zeigen, dass es in der Tech-Branche um viel Geld geht und dass Europa in Sachen Venture Capital aufholen muss. Ausserdem erläutere ich Chancen und Gefahren des Tech-Booms bevor ich abschliessend die Frage stelle, ob es in Liechtenstein nicht auch eine Kultur geben könnte, um Tech-Ideen besser voran zu treiben.

Der Autor, Christoph Keese ergründet in seinem Buch „Silicon Valley – Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt“[1] den erfolgreichsten Ort für Innovation und technischen Fortschritt und zeigt auf, warum Apple, Google, Facebook, und Co. dort entstanden und dort so erfolgreich sind. Die wichtigsten genannten Erfolgsfaktoren von Silicon Valley sind:

  • eine grosse Risikobereitschaft der Unternehmer und Programmierer
  • eine Kultur von Fehlern, aus denen gelernt wird
  • führende Tech-Universitäten, eine Schar von Studenten und Fachkräfte, die an einem Ort gebündelt sind
  • ein Venture Capital System, das Milliarden von Dollar an die Programmierer verteilt

15 Milliarden Venture Capital pro Jahr

Keese erläutert das Giesskannenprinzip der Sand Hill Road, der Adresse der Venture Capital Fonds für die grossen IT Ideen in Silicon Valley: Die Investoren sind sich von Anfang an bewusst, dass der Gesamtanteil der Investitionen verlorenes Kapital ist, rechnen aber damit, dass durch einen kleinen Teil der Investitionen sich der Unternehmenswert eines einschlagenden Unternehmens derart steigert, dass am Ende doppelt soviel Geld zurück fliesst als investiert wurde. Dabei geht es um Milliardenbeträge: 15 Milliarden Dollar Wagniskapital gäbe es jedes Jahr in Silicon Valley.

90 % des Geldes geht in Flops verloren

Keese zitiert einen Partner der Sand Hill Road: Investiere ein Fonds eine Milliarde in zehn Firmen, für jeweils 20 Prozent Unternehmensanteil, gingen 900 Millionen in Flops verloren. Die verbliebenen 100 Millionen müssten einen Unternehmenswert von 10 Milliarden generieren, so dass bei einem Verkauf der ursprünglichen Unternehmensanteile 2 Milliarden zurückfliessen könnten. Es geht also um enorme Beträge und um nicht weniger als eine Verdoppelung des investierten Kapitals, die nur durch eine Steigerung des geförderten Unternehmenswertes um den enormen Faktor von 20 erreicht werden kann.

Wie steht es um die Tech-Zukunft von Europa?

Christoph Keese vergleicht dieses Tech-Investment-System mit unserem traditionellen Wirtschaftssystem in Europa und will die Leser aufrütteln, will sagen dass etwas geschehen muss, damit Europa nicht völlig untergeht. In Europa seien die Strukturen zu starr und das Denken zu konservativ. Sicherheit im Job spiele eine zu grosse Rolle und verhindere die Risikokultur, die nötig sei, um Innovationen hervorzubringen. Doch das grösste Manko Europas sei die geringere Summe, die in Ideen investiert wird. 20 Mal weniger Venture Capital gäbe es beispielsweise in Deutschland. Dies führe unweigerlich dazu, dass erfolgreiche Ideen aus Deutschland schlussendlich von einem grossen Player aus Silicon Valley verdrängt werden würden.

Zeit zu handeln

Keese schreibt gegen Ende seines Buches: „Gut beraten ist also, wer sich frühzeitig eine zweite Existenz im Internet aufbaut“ und will den Leser ermutigen, zu handeln und sich der aus Silicon Valley überschwappenden Arbeitswelt anzupassen. Er legt nahe, dass sich aus den neuen Technologien Chancen und neue Märkte ergeben, dass es wichtig ist, die Jugend im Bereich Programmierung und Technik zu fördern, dass mehr Risiko eingegangen wird und dass bei uns mehr in Tech-Ideen investiert werden sollte.

Gefahren

Was Keese nicht erwähnt, ist die Möglichkeit, dass es sich beim Venture Capital System Silicon Valleys aber auch um eine Kapital-Blase handeln könnte, die eigentlich gar keinen Bezug zur Realwirtschaft hat. Ein mögliches Beispiel ist Snapchat: Das Unternehmen wurde 2016 gemäss zdnet.de[2] mit 16 Milliarden Dollar bewertet, machte jedoch 2015 (gem. zdnet.de) nur einen Umsatz von 3 Millionen Dollar und dabei einen Verlust von 128 Millionen. Wie ist es bei derart hohem Verlust möglich, einen Unternehmenswert, der 500 Mal grösser als der Umsatz ist, aufzuweisen? Entweder ist der potentielle Wert der Daten der 100 Millionen User (gem. zdnet.de) wirklich derart hoch oder es handelt sich um eine massive Überwertung, die einst in einem grossen Verlust der investierten Gelder münden könnte, falls sich herausstellen sollte, dass mit den Daten doch kein Umsatz, sei es durch Werbung oder Business-Intelligence, generiert werden kann.

Chancen

Ein florierender Venture Capital Mechanismus, sorgt hingegen dafür, dass Technologien vorangetrieben, neue Ideen umgesetzt werden und somit Produkte entstehen, die Arbeitsschritte vereinfachen oder den Alltag interessanter gestalten. Dadurch entstehen Arbeitsplätze und Konsum, was wiederum zu Zirkulation des Kapitals und schlussendlich zu Wirtschaftswachstum führt. Es lohnt sich deshalb, egal wie weit weg man von der Grössenordnung Silicon Valleys ist, diesen Mechanismus zu verstehen und darüber nachzudenken, wie man positives von Silicon Valley auch in einem kleinen Land wie Liechtenstein adaptieren könnte.

Innovation in Liechtenstein

Bei uns gibt es bereits zahlreiche Organisationen die aktiv Innovationen fördern, z.B. :

  • Impuls-liechtenstein, die Dachorganisation, die es sich unter Regierungschef Adrian Hasler zum Ziel gesetzt hat den Wettbewerbsvorteil des Standort Liechtensteins zu fördern. Darunter befinden sich z.B. die „Liechtenstein Venture Cooperative“ und den Fonds „Seed X“.
  • Der Ideenkanal, der mittels Qualifikation, einem Ideencamp, Crowdfunding und Begleitung Ideen hervorbringt.
  • Der Technopark, ein zukünftiger Ort der Begegnung von Startups und Entrepreneuren in den Bereichen Kommunikations und Sicherheitstechnologien, Verpackung, Umwelt und Recycling, Fintech, Mess- & Regeltechnik, Automatisierung.
  • Der KMU Zentrum Business Plan Wettbewerb, in dem Ideen anhand der Geschäftsidee in einem Businessplan beurteilt und prämiert werden.
  • Das Home of Innovation (HOI), mit erfahrenen Leistungs- und Netzwerkpartnern, die  Jungunternehmer in der Gründungs- und Aufbauphase unterstützen.
  • Das Forschungs- und Innovationszentrum Rheintal, dass ein Technologie-Cluster bildet, der grosse Forschungsaufträge und den Technologietransfer bewältigen kann.
  • Der Coworking Space, welcher Raum für Innovation und Kooperation in Form eines Gemeinschaftsbüros in Vaduz bietet.

Beitrag des itcc.li

Haben wir in Liechtenstein eine aktive Kultur der Ideen-Umsetzung oder zählen wir auch zu dem von Keese beschriebenen konservativen Europa, das aufholen muss? Können wir als IT-Verein etwas dazu beitragen, dass die Innovations-Kultur gefördert wird und wenn ja, wie? Diese Frage würde ich gerne unseren Vereinsmitgliedern zum Nachdenken mitgeben.

[1] Silicon Valley: Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt, München: 2016, Penguin Verlag.

[2] zdnet.de: http://www.zdnet.de/88262098/bericht-investition-setzt-wert-von-snapchat-weiter-mit-16-milliarden-dollar-an/, gefunden am 18.02.2017

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