IT Crowd Club Liechtenstein

Erster Bitcoin Automat in Liechtenstein

Am 1. April 2017 lud der IT Crowd Club zum Hackerspace ins Kunstmuseum Liechtenstein ein. Da ich der lokalen Presse entnommen hatte, dass der Hoi Laden in Vaduz seit kurzem über den ersten und einzigen Bitcoin ATM/Bancomat des Landes verfügt und dieser direkt gegenüber de Kunstmuseum liegt, hatte ich mein Projekt für den Tag schnell gefunden. Warum nicht einmal die Einstiegshürden in die Welt der digitalen Währung testen. (ein Beitrag von Stefan Ahrens)

Wie einfach ist die Handhabung des Bitcoin ATM?

Folgende Ausgangssituation: Es ist Samstag in Liechtenstein. In zwei Monaten geht es in die Ferien nach Brasilien. Nach Sao Paulo, um Familie und Freunde besuchen. Um möglichst viele Freunde auf einmal zu treffen und wenig Arbeit damit zu haben, haben wir uns zusammen eine Partylocation mit Bewirtung gemietet. Die Vorauszahlung sollte daher bald – am besten heute noch – in Brasilien eintreffen. CHF 50.- sollten möglichst schnell vom 6. kleinsten Land in das 5. grösste Land der Welt gesendet werden.

Die Seite Coin ATM Radar zeigt mir an, dass es in ganz Brasilien genau 1 ATM gibt, genau wie in Liechtenstein. Erfreulicherweise steht dieser in Sao Paulo, wohin meine Reise geht und auch ein Freund hat Zugang zu dem ATM, der nur für Studenten zugänglich, auf dem Campus einer Uni liegt. Also schauen wir uns an, wie einfach die Handhabung ist.

Ich nehme daher das Geld aus dem Portemonnaie und laufe über die Strasse zum Hoi Laden. Am freundlichen Personal vorbei, mache ich den Bitcoin Automat am Ende des Laden schnell ausfindig.


Was jetzt folgt, ist einfach und unkompliziert. Ich berühre den Touchscreen, klicke auf “Bitcoin kaufen”, schiebe die 50 Franken in den Schlitz und erhalte ein Paperwallet. Auf diesem Zettel findet sich der Public und Private Key jeweils mit QR Code. Das Paperwallet könnte ich jetzt in einen Briefumschlag stecken oder abfotografieren, um es an den Freund in Brasilien zu schicken, der das Geld für die Vorauszahlung sammelt. Da dies eine Weile dauert bzw. der Brief abgefangen werden kann, lade ich mir die “Bitcoin Wallet für Android” auf mein Smartphone. Ansonsten wäre Bitcoin wie jede andere Währung auch, aber nun wird es digital. Nach dem ersten Start ist der Inhalt des Wallets noch leer. Aber ich finde schnell den Menüpunkt “Paper-Wallet leeren” und fotografiere dazu den privaten QR Code ab. Mit dieser Aktion mache ich den Zettel wertlos und fülle mein Software Wallet mit den Bitcoins. Darauf muss ich geschlagene 34 Minuten warten, bis die Übertragung auf mein Handy verifiziert ist. Das hatte ich mir nach den schnellen Start am Automaten irgendwie schneller vorgestellt. Dafür kann ich nun in der App auf Bitcoin senden drücken. Dazu brauche ich nur die Adresse (Public Key) von meinem Freund. Ist sodann auch diese Transaktion bei ihm bestätigt (diesmal schon in 7 Minuten), kann er sich in seiner App einen QR Code erzeugen und mit diesem am ATM in Brasilien eine Auszahlung erhalten.

Fazit zur Handhabung: Wenn man überlegt, dass wir beide für den ganzen Vorgang unsere Personalien nicht registrieren mussten und trotzdem innerhalb von 41 Minuten Geld über 10000 Kilometer bewegen konnten, dann staune ich schon. Wenn man sich bei einer Bitcoin-Börse anmelden möchte, ist die Registrierung komplizierter und an den SBB-Automaten in der nahen Schweiz muss man auch über eine schweizer Natelnummer verfügen. Ich habe mich daher für die  Hintergründe interessiert, die dies ermöglichen.

Wie funktionieren Bitcoins im Vergleich zu analogen Währungen?

Damit aus Papier Franken werden, braucht es eine Druckerei und die Nationalbank, die zentral über die Umlaufmenge wacht. Bitcoins entstehen hingegen – vereinfacht gesagt – dadurch, dass Computer (Miner) mathematische Aufgaben lösen und diese in ein Register (Blockchain) eintragen. Dies erfolgt dezentral.

Die Motivation Strom und Rechenleistung zur Verfügung zu stellen, entsteht dadurch, dass der Miner den erstellten Bitcoin behalten und damit handeln darf. Die Anzahl der maximal zu erstellenden Bitcoins ist durch den Berechnungsalgorithmus gedeckelt. Die Berechnung des nächsten gültigen Werts wird von mal zu mal zeitintensiver. Der Algorithmus ist offen und nachprüfbar, um Vertrauen zu schaffen. Da es zu langwierig geworden ist selbst zu minen, kann man die analogen Währungen gegen digitale Währungen tauschen. Die Preisbildung ist dabei wie an der herkömmlichen Börse durch Angebot und Nachfrage geprägt. Bei Bitcoin-Börsen gibt es jedoch keine Regulierung, die auch den Handel aussetzen könnte. Es gab schon Fälle, bei denen der Schaden durch Raubzüge von Cyber-Kriminellen auf alle Kunden umgelegt wurden, ohne dass dies vorhersehbar war. Man sollte sich umfassend über die Vertrauenswürdigkeit der Bitcoin-Börsen informieren und dort nicht zu viel Werte vorhalten.

Immer wieder gibt es auch Spekulationen, die den Preis an den Bitcoin-Börsen beeinflussen. Faktoren, wie der erwähnte Bitcoin-Diebstahl durch unzureichende Sicherheit der Aufbewahrungsorte (Wallet), verunsichern die Benutzer. Das wachsende Interesse der Finanzindustrie an der Blockchain-Technologie und die Aussicht auf erweiterte Akzeptanz gefolgt von der Zurückweisung der Bewilligung eines Bitcoin Fonds heizten den Preis zunächst stark an und kühlten in danach genauso schnell wieder ab. Damit ist Bitcoin eine volatile Währung. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man mit Bitcoins experimentieren möchte.

Wenn man nun einen Bitcoin übertragen möchte, wird üblicherweise für jede Übertragung eine neue Adresse verwendet. Die Transaktion wird im dezentralen Register (Blockchain) eingetragen und unter allen Minern ausgetauscht. Dann dauert es – wie oben zu lesen – etwas, bis nach und nach immer mehr Bestätigungen eintreffen und die Transaktion damit unwiderruflich bestätigt wird. Je mehr im Netzwerk los ist, desto länger also die Laufzeiten. Interessant ist, dass alles transparent ist und dennoch anonym bleibt, solange man die Adressen nicht mit einer Person in Verbindung bringen kann.

Was passiert speziell in Liechtenstein rund um das Thema Bitcoin?

Wie man Twitter entnehmen kann, haben wir es dem Bitcoin Couple (@bitcoin_couple) zu verdanken, dass es in zwei Restaurants (Schlössle Mahal + Made in Italy) möglich ist mit Bitcoin zu bezahlen. Ausserdem hatten die beiden auch die Gelegenheit Fürst Hans Adam II. persönlich über Bitcoin zu informieren. Die Universität veranstaltet Events rund um das Thema Blockchain. Es gibt regelmässige Blockchain Meet-Ups in Liechtenstein (Blockchain Meetup Liechtenstein). Und zuletzt sei noch einmal das Blockchain Büro Liechtenstein erwähnt, dem der Bitcoin Automat zu verdanken ist. Somit gibt es auch über den Hackerspace hinaus viele Möglichkeiten sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und ich hoffe ich konnte mit meinem Bericht einen kleinen Anstoss dazu geben.

2 Kommentare zu “Erster Bitcoin Automat in Liechtenstein

  1. Simon Meier

    Genialer Beitrag Stefan. Du zeigst auf, dass Bitcoin eine sehr seriöse Seite hat, man es verwenden kann um Geld zu schicken und es nicht nur darum geht, sein Geld zu verlieren oder zu vermehren.

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